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Kategorie: Kinder

12 Pubertäts-Überlebens-Strategien

Hier sind zwölf Strategien für dich, die das tägliche Überleben mit Kindern in der Pubertät erleichtern. Ich habe drei Kinder zwischen 14 und 23 Jahren. Sie sind alle unterschiedlich und leben ihr Erwachsen werden auch anders.  

Anlass mir Gedanken zu machen, war eine Klientin. „Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll!“ seufzte diese Klientin, deren Pubertier mal wieder zu Höchstform auflief. „Achte auf dich selbst“, war meine Antwort.

Als Synonym für das Wort Pubertät nutze ich gerne „akute Frontallappenauflösung“. Ich finde es sehr einleuchtend, dass Menschen mit derartigen Umbauvorgängen im Gehirn, sich gelegentlich seltsam verhalten.

Das Einsetzen der Pubertät definiere ich als den Zeitpunkt, an dem die notorischen Frühaufsteher zu lang schlafenden Morgenmuffeln mutieren.

Pubertät auf einem anderen Planeten

Meine eigene Pubertät habe ich in einer anderen Zeit erlebt. Ich habe seither viel um- und neu gelernt. Unsere Sprösslinge wachsen mit dieser ständigen sich verändernden Umwelt und der Unsicherheit auf.

Heute aufzuwachsen ist nicht einfach. Geeignete Vorbilder sind schwer zu finden. Jede muss sich ihren eigenen Weg suchen. Ich versuche, wie du auch, meine Kinder auf ihrem Weg in die Zukunft möglichst gut zu unterstützen.

1. Es gibt wenig Vorbereitungsmöglichkeiten auf die Pubertät

Richtig vorbereiten kannst du dich auf die Pubertät deiner Kinder nicht. Vieles ist vorher einfach nicht vorstellbar und das ist auch gut so. Bücher und gute Ratschläge können hilfreich sein, sind aber nicht das Leben.

Weit vor der Pubertät haben wir mit unseren Kindern Veränderungen besprochen, die auf sie zukommen können: Dass sie sich selbst und die Welt nicht mehr verstehen, sich fremd und unverstanden fühlen, und dass sie damit nicht allein sind.

Meine heute 23-jährige Tochter hat uns mit 15 die Rückmeldung gegeben, dass ihr diese  Warnungen zumindest ein wenig geholfen haben.

2. Kinder früh in die Verantwortung nehmen

Dass wir die Kinder für voll nehmen, und sie von Anfang an in Entscheidungen miteinbeziehen, ist meiner Meinung nach, eine wichtige Grundvoraussetzung dafür, die Pubertät gemeinsam einigermaßen zu überstehen.

Beispiel:

Unsere Große hat im Juli Geburtstag und war damit ein Kann-Kind: Ob sie schon in die Schule gehen oder erst die Vorschule besuchen soll, war die große Frage. Wir Eltern waren unentschieden, der Kindergarten und der Schularzt auch. Also haben wir gemeinsam Informationen gesammelt und ihr die anstehende Entscheidung erklärt. Sie hat die Vorschule gewählt und im Nachhinein war das die richtige Entscheidung.

3. Was ist die richtige Entscheidung für dich?

Ich frage meine Kinder heute noch, wenn sie vor einer Entscheidung stehen und mich um Rat fragen: „Was ist das Beste für dich? Womit geht es Dir am besten?“ Wenn sie gewohnt sind, in sich selbst hineinzuhören, besteht die Hoffnung, dass dies auch in dieser Zeit der akuten Frontallappenauflösung noch funktioniert.

4. Wieder in meine Mitte kommen

Hand aufs Herz: Deine Kinder können dich innerhalb von Sekunden auf die Palme bringen. Sie kennen dich gut und wenn sie dich im falschen Moment erwischen, ist es passiert. Das Drama nimmt seinen Lauf. Wie kommst du da am besten wieder heraus?

Gehe auf Abstand. Um von der Palme herunterzusteigen, konzentriere ich mich beispielsweise 30 Sekunden lang auf etwas Schönes: genieße eine Tasse Kaffee auf der Bank draußen oder erinnere mich bewusst an einen glücklichen Moment. Eine derartige Mini-Aus-Zeit reicht oft, um wieder in Balance zu kommen.

5. Bleib locker, als Eltern sind wir sowieso peinlich

Erst bist du die Autorität in allen Lebenslagen und dann ist das plötzlich vorbei. Pubertät bedeutet für die Kinder, sich von uns Eltern und dem Gewohnten abzugrenzen. Deswegen schämen sich deine Kinder ab einem gewissen Zeitpunkt fremd, besonders im sozialen Umfeld.

Eine Notfallclownsnase in der Dose

6. Humor als Pubertäts-Puffer

Humor ist für mich das Schmierfett jeder sozialen Beziehung. Manchmal reicht schon eine Prise Humor, um Situationen mit einem Pubertier zu entschärfen. Oft lachen wir dann gemeinsam über uns selbst.

7. Akzeptanz und Wertschätzung

In schwierigen Zeiten, wenn Kommunikation unmöglich scheint, schicke ich meinem Kind Akzeptanz. Wie das geht? Wenn ich ruhig bin und mich gerade nicht aufrege, schicke ich ihnen in Gedanken, dass ich sie akzeptiere und was ich an ihnen schätze. Da gibt es zum Glück eine Menge.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese unsichtbare Unterstützung immer ankommt und Beziehungen sehr positiv beeinflussen kann. Ich nutze Wertschätzung und Akzeptanz in meinem gesamten persönlichen und beruflichen Umfeld. Menschen merken, was und wie man über sie denkt und reagieren darauf.

8. In Kontakt bleiben

Geht es bei uns hoch her, am besten bevor wir explodieren, trennen wir uns räumlich. Da unsere Kinder eigene Zimmer haben, ist dies nicht weiter schwierig.

Ich sorge dafür, dass die Kommunikation nie ganz abreißt. Sie wird möglichst in ruhigere Zeiten verlagert. Solange ich in Kontakt bin und bleibe, habe ich ein besseres Gefühl dafür, was mit meinen Lieben los ist.

Die Basis für diese Kommunikation solltest du idealerweise vor der Pubertät gelegt haben. Hinterher ist sie viel schwieriger aufzubauen.

9. Du bist und bleibst Vorbild

Kinder kannst du in der Pubertät nicht mehr erziehen. Es ist zu spät – die Grundlagen hast du aber zum Glück schon gelegt. Bei den Mädchen kam der Punkt, an dem ich das gemerkt habe mit 12 Jahren. Irgendetwas war plötzlich anders. Sie waren viel schwieriger zu überzeugen und zu leiten. Bei meinem Sohn war das Erziehen schon mit 10 Jahren vorbei.

Meine Kinder beobachten genau, wie ich die Herausforderungen im Alltag angehe. Sie sehen, dass ich auch nicht weiterkomme oder schlecht drauf bin. Da ich mir wünsche, dass sie nett mit sich selber und anderen umgehen, versuche ich mit gutem Beispiel voranzugehen.

Als mich zwei Nachbarinnen darauf ansprachen, wie freundlich meine Mädchen sie grüßen, habe ich die beiden gefragt, was sie denn machen. Die Antwort von beiden war: „Das, was du auch tust, Mama.“

10. Von fremden Pubertäts-Erfahrungen lernen

Ich hole mir gerne Anregungen, wie andere die Pubertät ihrer Kinder erleben und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Oft gibt es kleine und große Ideen, die ich in meinen Alltag mitnehmen kann. Manche Fehler erspare ich mir so.

Lange habe ich überlegt, eine Pubertätsselbsthilfegruppe ins Leben zu rufen. Es ist nie etwas aus dieser Idee geworden. Ich stelle es mir trotzdem hilfreich vor, sich einmal im Monat auszusprechen und danach gestärkt wieder zurück in den Alltag zu gehen.  

11. Wo liegen deine Grenzen?  

Eltern wie Kinder brauchen Schutz. Es rächt sich, wenn unsere Grenzen ständig überschritten werden. Daher frage dich immer wieder, was du noch ertragen kannst und was nicht mehr. Die eigenen Grenzen und die der Kinder im Blick zu haben, ist in der Pubertät besonders wichtig. Wenn es Probleme gibt, darf es keine Tabus geben.

Ich habe mehrfach erlebt, dass Jugendliche für ihre Familie nicht mehr tragbar waren. In diesen Fällen hat Unterstützung von außen sehr geholfen.

Eine Freundin hat sich wegen der massiven Probleme, die sie mit einer Tochter in der Pubertät hatte, externe Hilfe geholt. Die Situation zu Hause war für sie nicht mehr zu ertragen. Über das Jugendamt hat sie psychologische Unterstützung gefunden und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich habe daraus gelernt, dass es okay ist, alleine nicht mehr weiter zu wissen und dann auch Hilfe in Anspruch zu nehmen.

12. Jede Pubertät ist anders

Jede Familie tickt anders, und jeder Mensch entwickelt sich unterschiedlich. So erleben wir auch die Pubertät sehr verschieden.

Meine zweite Tochter hatte andere Strategien, mit sich und ihren Problemen umzugehen als die erste. Sie machte viel mehr mit sich selbst aus als die Große. Das bedeutete für mich, meine Überlebensstrategien diesem Kind anzupassen.

Fazit

Die Pubertät der Kinder ist eine Phase im Familienleben, die einfacher wird, wenn du möglichst bewusst mit dir und den Kindern umgehst.

Was ich an dieser Lebensphase genieße ist, dass meine Kinder immer mehr von sich in die Familie einbringen. Viele Ideen, die unser Familienleben bereichern, kommen mittlerweile von ihnen und das ist klasse.

Du brauchst Unterstützung und Inspirationen im Umgang mit deinem Pubertier? Lass uns darüber sprechen.

Literaturtipp

Jesper Juul: Pubertät. Wenn erziehen nicht mehr geht , Kösel, 3. Auflage, 2010

Dieser Artikel ist in der Blognacht meiner Lieblingsblogflüsterin Anna Koschinski entstanden.

Bilder: privat

© Inge Schumacher

Wie bereiten wir unsere Kinder auf das Leben vor?

Meine große Tochter ist dabei auszuziehen. Das ist aufregend für uns. Mich hat das angeregt darüber nachzudenken wie wir unsere Kinder auf das Leben vorbereiten.

Wir haben als Eltern und als Menschen, die mit Kindern umgehen einen wichtigen Auftrag: Ihnen das Handwerkszeug mitzugeben damit sie selbst ihre Herausforderungen meistern können.

Kinder unterstützen zu wachsen

Ich nehme Dich in diesem Artikel mit in meine Familie und teile meine Überlegungen wie wir die nächste Generation unterstützen können. Ich bin mir bewusst, dass es nicht den einen richtigen Weg um Kinder beim Er-wachsen-werden zu begleiten gibt.

Das Wichtigste was ich meinen Kindern mitgeben möchte ist: Sich selbst zu vertrauen. Jedes Kind hat seine eigene Persönlichkeit. Einige Menschen sind von Natur aus stabiler als andere. Wir alle brauchen Unterstützung dabei unseren eigenen Weg zu finden und zu gehen.

Unsere Welt verändert sich schnell

Wir vererben der nächsten Generation einen Innovationsstau. Zum Beispiel den Klimawandel. Um diese Herausforderungen anzugehen brauchen wir mutige Menschen, die Neues ausprobieren und Fehlversuche aushalten. Neue Lösungen finden und kreatives Denken passieren nicht einfach. Das muss geübt werden.

Wir brauchen viel mehr mutige

  • Neudenker
  • Erfinder
  • Um die Ecke-Denker
  • Lösungsfinder
  • Pragmatiker
  • Abenteurer

Was bedeutet Mut für mich?

Unter Mut verstehe ich die Bereitschaft Unbequemlichkeiten in Kauf zu nehmen.

Die Herausforderung für uns Eltern

Wir sind genauso unvorbereitet Eltern geworden wie alle anderen auch. Wir sind ins kalte Wasser gesprungen und haben on the job gelernt.

Meine Mutter ist bei meiner Taufe 25 und ihre Mutter 56 Jahre alt.

Unsere Vorbilder

Die im Krieg geborenen – meine Eltern – bekamen von ihren Eltern vorgelebt zu überleben mit massiven Traumen.

Das hat sie geprägt. Meine Mutter ist oft über ihre Grenzen gegangen. Sie war mit vier Kindern allein zu Hause weit weg von jeder Hilfe. Mein Vater machte Karriere und hat auch bis zur Erschöpfung gearbeitet. Beide haben das Beste gegeben um uns Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.

Meine Eltern sind damit groß geworden, dass Kinder nicht wissen was gut für sie ist. Sie selbst wurden nicht als vollwertige Menschen behandelt. Das ist heute anders.

Wir nehmen unsere Kinder ernst

Meine Kinder wissen oft ziemlich genau was gut für sie ist und was nicht. Wir fragen sie immer danach, wenn sie Entscheidungen treffen müssen. Unser Ziel ist, dass sie lernen, sich ihrer selbst bewusst zu sein. Sie sollen ihre Gefühle und Grenzen wahrnehmen können. So können sie ihre Talente finden und nutzen. Wir leben ihnen das vor.

Bis wohin geben wir unsere Kinder frei?

Ich kenne viele Eltern, die sich super um ihre Kinder kümmern. Sie unterstützen sie darin sich zu entfalten. Wenn die Kinder diesen Spielraum nutzen und sich ausprobieren gibt es aber oft Ärger: Es stellt sich heraus, dass Entfaltung nur in dem engen Bereich erlaubt ist, den die Eltern als gut empfinden, weil sie ihn kennen.

Hier dürfen wir alle an uns arbeiten. Wenn unsere Kinder Neues und Unbekanntes ausprobieren ruft das bei uns Eltern Angst hervor und das überträgt sich wieder auf die Kinder. Wir engen sie da vielleicht zu sehr ein. Deswegen sind viele von ihnen auf sich allein gestellt weniger lebensfähig als frühere Generationen.

Viele Jugendliche sind nicht geübt darin sich selbst eine Struktur zu geben. Sie haben nicht gelernt selbständig zu denken und zu handeln. Die Schulen bereiten darauf nicht vor. Sie sind es oft nicht gewohnt für sich und andere Verantwortung zu übernehmen.

Beispiel: Depressionen bei jungen Erwachsenen

Junge Erwachsene scheitern oft an lebenspraktischen Fragen. Der Auszug aus dem Elternhaus, der Start ins Studium oder die Ausbildung sind Ausnahmesituationen, denen viele nicht gewachsen sind.

Will ich meinen Kindern das nötige Werkzeug mitgeben befinde ich mich in einer Gratwanderung zwischen Unterstützen und Loslassen, Akzeptieren und Kritisieren. Es gilt immer wieder die Grenzen auszuloten wann ich eingreife und wann nicht.

Mache ich alles richtig? Natürlich nicht. Ich versuche es eben so gut wie ich kann.

Wir sind selbst Vorbilder

Ich bin nicht nur für meine Kinder ein Vorbild.

Beispiel: Meine Flüchtlingsfreundin

Seit drei Jahren bin ich Mentorin einer alleinerziehende Flüchtlingsmutter .

Evelyn ist 32 Jahre alt. Ihre Tochter wird bald 4. Mir war nicht bewusst, dass ich auch für sie Vorbildfunktion habe. Sie meinte kürzlich, dass sie es toll findet wie viel Freiheit mir mein Mann gibt. Sie will das für sich in einer Partnerschaft auch. Was für mich selbstverständlich ist, sieht Evelyn in ihrem Kulturkreis oft anders.

Ich unterstütze ihre Selbständigkeit und verstehe mich als ihr Auffangnetz. Wenn sie mich braucht, dann bin ich für sie da. Auch sie begleite ich beim Wachsen. Gerade haben wir eine Wohnung für sie gefunden.

Herausforderungen meistern lernen

Wir können unseren Kindern die Fähigkeiten, die sie brauchen am besten durchs Vormachen beibringen.

Wenn sie uns in Ausnahmesituationen erleben und sehen wie wir damit umgehen, lernen sie dass Schwierigkeiten nicht das Ende der Welt sind. Meine Kinder wissen, dass es immer irgendeine Lösung gibt und es manchmal Zeit braucht sie zu finden. Fehler machen inklusive. Sie lernen auch, dass Hilfe holen eine gute Idee ist.

Reden nützt wenig. Unsere Kinder müssen sich selbst ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Dazu brauchen sie Raum und Übungsmöglichkeiten.

Kinder einbeziehen

Meine Kinder merken wenn es mir nicht gut geht. Ihre Reaktion ist, die Ursache bei sich zu suchen. Das will ich nicht.

Deswegen beziehen wir unsere Kinder ein: Von Geldschwierigkeiten über tödliche Krankheiten in der Verwandtschaft bis zu den großen Weltproblemen.

Sie entscheiden selber wie viel sie mitbekommen. Meine Mittlere ist zum Beispiel viel interessierter als meine Älteste. Die zieht sich bei solchen Gesprächen eher zurück weil es ihr zu viel wird. Das ist okay. Sie beachtet ihre Grenzen.

Sich selbst kennen und verstehen lernen

Wir versuchen den Kindern wirklich zuzuhören. Auch dadurch lernen sie sich klar zu werden was in ihnen vorgeht.

Meine Kinder haben verglichen mit ihren Altersgenossen einen großen Vorsprung was zwischenmenschliches Verstehen angeht. Das liegt zum einen daran, dass sie dabei sind zu begreifen wie sie selbst ticken. Aber sicher auch daran, dass sie empathische Menschen sind.

Was ich meinen Kindern mitgeben will

1. Zu sich stehen

Unsere Kinder sollen lernen Grenzen zu setzen. Das fällt ihnen leichter wenn sie wissen was ihnen gut tut. Meine Großen entscheiden sich dagegen mit ihrer Clique feiern zu gehen, wenn sie sich nicht danach fühlen. Auch wenn ihre Freunde sie anpflaumen bleiben sie dabei. Das zeigt mir, dass sie zu sich stehen können. Was ich sehr beruhigend finde.

2. Problemlösungskompetenz

Mein Anspruch ist: Stell Dich dem Problem und laufe nicht weg. Die Erfahrung, dass es im Endeffekt einfacher ist sich Problemen zu stellen müssen meine Kinder selbst machen. Dazu muss ich ihnen den Raum geben, sich auch mal zu drücken. Das zuzulassen fällt mir schwer. Bei meinem Sohn habe ich aber gemerkt, dass das der einzige Weg ist ihm nahezubringen wie er mit Schwierigkeiten umgehen kann.

3. Akzeptanz sich und anderen gegenüber

Akzeptanz ist das Schmiermittel der Gesellschaft. Wie schwierig das Leben ohne Akzeptanz ist erleben wir in der Corona-Krise. Familien und Freunde verkrachen sich, weil jede Seite auf die Richtigkeit ihrer Ansichten besteht und keine andere akzeptiert.

Ich finde nicht alles gut was meine Familie macht, ich akzeptiere es aber. Das bedeutet: Ich schätze meinen Gegenüber als genauso wichtig ein wie mich. Ich bin nicht besser oder schlechter als er. Auch meine Kinder dürfen eine eigene Meinung haben.

Was mir schwerfällt:

  • Meine Erwartungen zurückzunehmen wie meine Kinder zu sein haben, was sie tun und lassen sollen
  • Meine Ängste nicht auf meine Kinder zu projezieren
  • Bei mir zu bleiben

Was mir leicht fällt:

Mein Bauchgefühl abzurufen. Das sagt mir, dass alles okay ist. Das beruhigt mich wenn meine Mama-Ängste mal wieder Überstunden machen.

Wie bereiten wir unsere Kinder auf das Leben vor?

Wenn wir unsere Kinder zu sehr schützen schwächen wir sie. Überfordern wie sie, dann zerbrechen sie. Wir Eltern, Erzieher und Lehrer stehen vor der Herausforderung  immer wieder auszutarieren wie viel Freiraum und wie viel Begleitung für jedes Kind richtig ist.

Wir brauchen mehr Menschen, die in sich zu ruhen und fest im Leben stehen, wenn wir die kommenden Herausforderungen meistern wollen. Dazu brauchen sie das nötige Handwerkzeug. Das können sie von uns bekommen.

Was sind Deine Erfahrungen? Wie bereitest Du als Eltern, Erzieher oder Lehrer Kinder auf das Leben vor? Was hat sich bewährt und was nicht?

Hier der Kommentar meiner geschätzten Lesern Carmen:

„Liebe Inge,
Danke für diesen Artikel. Ich erlebe es fast täglich in meiner Arbeit als Logopädin, was du beschreibst:
„ Viele Jugendliche sind nicht geübt darin sich selbst eine Struktur zu geben. Sie haben nicht gelernt selbständig zu denken und zu handeln. Die Schulen bereiten darauf nicht vor. Sie sind es oft nicht gewohnt für sich und andere Verantwortung zu übernehmen“
Und rückblickend auf die vergangenen 10 Jahre wird es gefühlt immer schlimmer.
Ich bin keine Mutter. Dennoch weiß ich um meine Verantwortung in Bezug auf meine Patienten. Und möchte sie in meinem Therapiesetting stärken und sie unterstützen in dieser Welt vorwärts zu kommen.
Ich hoffe , dein Artikel erreicht viele LeserInnen.
Viele Grüße, Carmen.“

Brauchst Du Unterstützung?

Ich helfe Die gerne. Nutze mein kostenloses Kennenlerngespräch.

Dieser Artikel ist in Anna Koschinskis #Blognacht entstanden.

Bilder: Privat

© Inge Schumacher

Lass uns Rabeneltern sein

Rabeneltern ist eigentlich eine sehr positive Bezeichnung. Rabeneltern unterstützen ihre Küken optimal beim Erwachsen werden.
Nach meiner Erfahrung können wir und nur optimal um unsere Kinder kümmern, wenn wir gleichzeitig auch für uns gut sorgen. Hilfestellung dabei gibt mein Artikel.

Dieser Artikel gehört zur Blogparade „Und täglich grüßt die Rabenmutter“ von Marianne Rott, der Mama- und Kindflüsterin von Mia Anima. Danke, dass ich Dich bei diesem wichtigen Thema unterstützen darf.

Das Wort Rabenmutter beziehe ich ausdrücklich auf beide Elternteile. Die Zeiten, in denen daheim bleibende Mütter allein die Erziehungsaufgaben schulterten sind zum Glück schon lange vorbei. In immer mehr Familien werden die anstehenden Aufgaben so verteilt, wie es am besten passt ohne auf althergebrachte Geschlechterrollen zu achten. Viele Alleinerziehende beiderlei Geschlechts meistern außerdem ihren Alltag mit Kindern ohne Partner.

Ich möchte hiermit allen Eltern Mut machen erstens das zu tun, was sie zufrieden macht und zweitens gut auf sich zu achten. Ich nehme Dich dabei mit auf meine persönliche Reise durch das unendliche Lernpotential des Elterndaseins. Ich habe drei Kinder und arbeite als Heilpraktikerin und Beraterin.

Den Ausdruck Rabenmutter gibt es immer noch!

Erstaunlich, dass dieser uralte Ausdruck heute noch verwendet wird. Nach Wikipedia ist das eine Tiermetapher, die als Schmäh- oder Schimpfwort Eltern herabwürdigt, die ihre Kinder vernachlässigen. Der Begriff wird besonders für berufstätige Menschen verwendet, die sich angeblich ungenügend um ihre Kinder kümmern.

Wie so oft sieht die Realität anders aus: Junge Raben verlassen das Nest zwar aus eigenem Antrieb bevor sie fliegen können, werden aber weiterhin von ihren Eltern beschützt und gefüttert. Rabeneltern vernachlässigen ihre Jungen also keineswegs.

Wann werden wir Rabeneltern genannt oder fühlen uns so?

Meine Erfahrung ist, dass ich dann kritisiert werde, wenn ich unsicher bin. Diese Unsicherheit strahle ich aus und lade damit sozusagen Kritik ein: Die Außenwelt spiegelt meine innere Unsicherheit wider.

In solchen Situationen ruhe ich nicht in mir selbst. Vielleicht war ich müde und kaputt, weil die Nacht schlecht war. Oder ich arbeite eine lange Liste an Aufgaben ausgerechnet dann ab, wenn es mir nicht gut geht. Das hat dann zur Folge, dass alle Beteiligten gestresst sind und ich ein schlechtes Gewissen habe.

Wenn Du mit dem Begriff Rabenmutter oder -vater belegt wirst, dann versuche herauszufinden welchen Anteil Du selbst daran hast. Warst Du unsicher und wenn ja warum? Oder hattest Du das Pech gerade da zu sein als jemand Dampf ablassen wollte? Meine Erfahrung zeigt: Je mehr Du hinter dem stehst was Du tust, desto weniger wirst Du unaufgeforderte externe Kritik hören.

A: Mangelnde Zufriedenheit: Warum fällt es uns manchmal so schwer zu uns zu stehen?

Dazu greife ich drei mögliche Ursachen auf:

  • Unsere Rollenvorstellungen
  • Kennen wir uns und unsere Wünsche wirklich?
  • Die Macht der Ausstrahlung

1. Alte Rollenbilder

a. Trenne Dich von unpassenden Idealbildern

Ich hatte früher sehr rigide Idealbilder vom Mutter sein, Ehefrau sein, berufstätig sein, Freundin sein, Tochter sein, etc. Viele davon habe ich im Laufe der Zeit über Bord geworfen: Denn den Idealbildern und Werten zu entsprechen, die ich vielleicht schon das ganze Leben mit mir herum getragen habe und die mir nicht entsprachen verursachte viel unnötigen Druck.

b. Mehr Eigenverantwortlichkeit bedeutet für mich mehr Freiheit

Seit ich diesen unpassenden Idealen den Rücken gekehrt habe, bin ich deutlich lockerer in Bezug auf meine Familie und auch mit mir geworden. Das macht mich im Alltag offener für neue Wege, die ich früher gar nicht gesehen hätte. Mir ist nach und nach bewusst geworden wie sehr ich mich selbst begrenzt habe.

Mit der Zeit habe ich herausgefunden was mir entspricht: Es liegt mir mehrere Standbeine zu haben: Heilpraktikerin mit eigener Praxis zu sein und Menschen auf ihrem Weg zu unterstützen, 3 Kinder und ein erfülltes Familienleben zu haben und mich auch noch freiwillig in unserer Erstaufnahmeeinrichtung als Deutschlehrerin zu engagieren. Mein persönliches Wellnessprogramm ist Isländisch-Unterricht.

2. Was will ich?

Jeder muss seinen eigenen Weg finden und feststellen was ihn begeistert. Wenn wir uns dessen bewusst sind was uns liegt und was nicht, haben wir es einfacher den Alltag nach unseren Vorlieben zu gestalten und damit stressfreier zu machen.

Meine Erfahrung zeigt: Ist mein Alltag gut auf mich zugeschnitten, dann bin ich in meinem Flow und damit sehr effizient und schaffe mir Freiräume. Das macht mich zufrieden und meine Familie auch.

3. Was macht Dich zufrieden?

Um herauszubekommen was Dich wirklich zufrieden macht, solltest Du Dich gut kennen und regelmäßig mit Dir selber kommunizieren. Dann bekommst Du einfacher heraus, was Du wirklich willst. Hier ein paar Tipps:

a. Was läuft gut?

Hilfreich ist es, ab und zu eine Bestandsaufnahme Deiner jetzigen Situation zu machen. Wie viel von dem was Dich zufrieden macht, hast Du jetzt schon in Deinem Leben? Die Kinder, der Partner, die Wohnung…Für uns ist das alles meist so selbstverständlich, dass wir es nicht genug würdigen.

Ich versuche mir jeden Tag klar zu machen, wie viel von dem was ich liebe ich bereits leben darf und wie viele Menschen, die mir gut tun, um mich sind.

b. Was fehlt Dir momentan?

Auf diese Frage reagieren wir oft automatisch: Mehr Zeit, mehr Geld… dann schauen wir auf unsere Situation und fühlen uns hilflos. Wir brauchen Geld, um ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Tisch zu haben, das stimmt. Wir tauschen unsere Zeit gegen Geld. Wir vergessen aber, dass es für jeden von uns viele verschiedene Möglichkeiten gibt, das zu erreichen. Dafür müssen wir aber raus aus der Opferrolle und unser Leben aktiv in die Hand nehmen.

Es ist wichtig zu hinterfragen warum wir etwas tun und was unsere Motivation dabei ist.

c. Gefühle weisen Dir den Weg

Um herauszufinden, was wirklich zufrieden macht, geben Deine Gefühle Dir wichtige Hinweise. So kannst Du beliebige Teile Deines Alltags unter die Lupe nehmen:

  • Stell Dir vor, etwas nicht mehr oder anders zu tun und achte dabei auf Deine Gefühle.
  • Schau Dir eine Situation in Deiner Arbeit, bei der Kinderbetreuung oder in einer Freundschaft an.

Wenn Du negative Gefühle wahrnimmst, merke Dir wo diese auftauchen und geh diesen nach. Stell Dir Alternativen vor und fühle in sie hinein. Warum fühle ich mich unwohl und was kann ich an der Situation ändern? Besprich das auch mit Freunden oder dem Partner.

Ich habe auf diese Weise schon einige kreative Lösungen für meinen Alltag gefunden.

4. Die Macht Deiner Ausstrahlung:

Eine ganz andere Ausstrahlung als oben!

a. Wenn Du überzeugt von etwas bist, strahlst Du das aus und das hat Folgen

Meine Kinder haben mir die wichtigsten Lektionen zum Thema Ausstrahlung erteilt. Eines wollte weder Brei noch etwas anderes essen, so dass sich das Abstillen hinzog. Nach 15 Monaten konnte und wollte ich nicht mehr. Ich besprach mit meinem Mann, dass das Stillen für mich endgültig vorbei war. Wir scheinen das sehr klar ausgestrahlt zu haben, denn innerhalb von 2 Wochen wollte dieses Kind nicht mehr gestillt werden! Ich war sehr überrascht, hatte ich doch mit viel mehr Problemen gerechnet.

Diese Erkenntnis lässt sich auf viele Lebensbereiche übertragen. Hier ein Beispiel aus meiner Praxis:

b. Der Weglass-Test

Eine Klientin von mir war unglücklich damit, sich als Lehrerin von Zeitvertrag zu Zeitvertrag zu hangeln. Sie fragte mich, was sie tun sollte um einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen. Ich habe sie gefragt, ob sie wirklich liebt, was sie macht. Um da ganz sicher zu gehen sollte sie sich vor ihre Klasse stellen und sich ausmalen wie es für sie wäre sie nicht mehr zu unterrichten. Dabei sollte sie genau auf ihre Gefühle achten.

Nach diesem Test war sie ganz sicher, dass sie dort weiter unterrichten wollte. Ich riet ihr diese Sicherheit bewusst jeden Tag auszustrahlen: „Ich will hier bleiben“. Neun Monate danach hatte sie ihre Festanstellung.

c. Du hast Priorität

Spätestens wenn Chaos droht, was in Familien nicht zu vermeiden ist, bist Du gezwungen Prioritäten zu setzen.

Ich möchte Dir sehr ans Herz legen, dass Du die oberste Priorität hast. Nicht die Kinder oder der Partner sind das Wichtigste in Deinem Leben sondern Du. Nur Du bist in der Lage Dir selbst die Macht über Dein Leben zu geben.

Wie lebst Du dieses „Ich bin wichtig“ im Alltag? Mit Hilfe Deiner Ausstrahlung! Das klappt leider nur, wenn Du selbst voll davon überzeugt bist, dass Du Priorität hast und das braucht Übung.

B. Achte  gut auf Dich!

1. Überforderung macht krank

Ich habe sehr lange gebraucht bis ich gelernt habe, dass ich an erster Stelle stehen muss. Auch die Erkenntnis dass ich nur dann genug Kraft habe, um meiner Familie gerecht zu werden hat sich erst langsam durchgesetzt. Wenn ich zu oft über meine Grenzen gehe, werde ich krank. Der Körper verordnet mir dann sozusagen eine Zwangspause. Heute merke ich Überforderungsanzeichen viel früher und nehme Druck raus. Dadurch bin ich viel weniger krank.

Wer dauernd über seine Grenzen geht, landet im Burn-out und kann für niemanden mehr da sein. Das sehe ich oft genug in meiner Praxis.

2. Keine faulen Kompromisse sondern Kooperationen

Ich versuche im Alltag immer weniger Kompromisse zu machen und gehe dafür lieber Kooperationen ein: Bei Kompromissen verlieren beide Seiten, bei Kooperationen gewinnen beide. Das bedeutet keineswegs, dass ich egoistischer geworden bin. Ich bin mir nur bewusster warum ich etwas tue.

Ich engagiere mich immer noch freiwillig und tue viel für andere. Ich weiß aber, dass ich das tue weil es mich zufrieden macht. Ich versuche auch hier auf meine Grenzen zu achten.

Kurze individuelle Auszeiten von Familie und Beruf je nach Bedarf sollten Bestandteil jeden Alltags sein und sind ein gutes Feld um Kooperationen zu üben. Der Papa, der nach dem Fußballspiel locker und voller Energie nach Hause kommt, kann viel mehr Trotzgeheule oder Chaos ertragen als der gestresste. Das gilt natürlich genauso für die Mama, die sich eine kurze Auszeit gegönnt hat.

3. Ein positives Umfeld

Wir Eltern, egal ob berufstätig oder nicht brauchen Unterstützung. Wenn Du Dich in Deinem Alltag umsiehst, wirst Du hoffentlich schon viel Positives in dieser Hinsicht finden:

Die Tagesmütter, Kindergartenerzieher und Lehrer, die mit Dir an einem Strang ziehen und sich mit Dir über die Entwicklung Eurer Kinder freuen. Oder die Freunde, die auch mal kurzfristig für Dich da sind.

4. Unterstützung finden und nutzen

Das Umfeld ist das Sicherheitsnetz das uns im Ernstfall trägt und uns ermöglicht das zu machen wofür wir brennen. Dieses Netz basiert idealerweise auf Kooperationen und nicht auf faulen Kompromissen. Besonders Alleinerziehende brauchen viel Unterstützung. Die Organisation des Netzes verschlingt erst einmal viel Zeit und Energie. Das lohnt sich aber für alle Beteiligten, wie ich aus meinem persönlichen Umfeld weiß.

Die Kinderbetreuung hat sich in den letzten Jahren in Deutschland zum Glück sehr verbessert. In unserer Grundschule gibt es seit einigen Jahren Mittagessen und Hortbetreuung. Mein Jüngster besucht an 3 Tagen in der Woche den Hort. Das genieße ich sehr. Ich würde meine Arbeit auch ohne diese Hortunterstützung schaffen. Das würde aber auf Kosten meiner Energie und meines persönlichen Freiraums gehen. Bin ich deswegen eine Rabenmutter? Gerne!

Rabenmutter-Fazit

Wir unterstützen unsere Kinder beim Flügge werden. Unsere Kinder müssen uns dazu nicht dauernd um sich haben. Was sie brauchen ist die Sicherheit, dass wir für sie da sind, wenn sie uns brauchen und dass wir sie ernst nehmen. Das können wir prima auch als aktive berufstätige Eltern. Ich finde sogar, dass unsere Kinder von uns als Vorbildern profitieren.

Wir haben als Eltern aber die Verantwortung auch gut für uns zu sorgen, damit wir für unsere Familien da sein können.

Wir brauchen viel mehr Rabeneltern die ihren Kindern vormachen, wie man ein erfülltes zufriedenes Leben führt. Lasst uns alle Rabeneltern sein!

Zur Blogparade:

Den Beitrag meiner Vorgängerin ist hier zu finden: Nicole Bailer. Nach mir schreibt Katja Kohlstedt einen Gastbeitrag auf Mia Anima.

Fotos: privat, Mia Anima

© Inge Schumacher

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