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Kategorie: Buch

Selbstbestimmtes Sterben: meine Erfahrungen

Im Sommer 2025 haben meine Eltern sich für selbstbestimmtes Sterben entschieden. Vor einem Jahr habe ich einen Blogartikel geschrieben, in dem ich über den assistierten Suizid meiner Eltern und die rechtliche Lage in Deutschland informiert habe. Er ist viral gegangen und hat mir gezeigt, wie groß das Interesse an diesem Thema ist.

Auch deswegen habe ich angefangen, mein Buch „Dürfen die das? Der assistierte Suizid meiner Eltern“ zu schreiben. Ich hatte die Unterstützung meiner Geschwister, diese sehr persönliche Geschichte zu veröffentlichen. Da wusste ich noch nicht, wie das Buch aussehen würde.

Mehr als selbstbestimmtes Sterben

Es wurde dann viel mehr als ein persönlicher Erfahrungsbericht. Ich habe mich mit rechtlichem Hintergrund, Palliativmedizin, Hospizen und Erfahrungsberichten aus dem deutschsprachigen Raum auseinandergesetzt. Und mit den Fragen, die ein assistierter Suizid aufwirft:

  • Wie möchte ich selber sterben?
  • Was ist mir wichtig?
  • Was sind meine Werte?

Und: wo darf ich hingucken in Bezug auf meine eigene Endlichkeit?

Im Anhang habe ich außerdem Erfahrungsberichte und Podcasts, Filme und Bücher verlinkt. Warum? Für mich wäre es damals sehr hilfreich gewesen, Zugang zu diesen Informationen zu haben.

Ein Winter mit dem Thema selbstbestimmtes Sterben

Ich bin den ganzen Winter lang morgens früh aufgestanden, habe eine Kerze angezündet  und an diesem Buch gearbeitet. Anfang März war es fertig. Jedes Wochenende habe ich an Verlage geschrieben, bekam aber keine Rückmeldung.

Das Buch half mir bei der Aufarbeitung

Das Buch hat mir geholfen, an tief versteckte Gefühle heranzukommen und mich mit familiären Altlasten auseinanderzusetzen.

Self-Publishing ist die Lösung

Da ich aufgrund meines ersten Buches „Jammern kannst du später“, wusste, wie Self‑Publishing funktioniert, hat mich die mangelnde Resonanz der Verlage nicht gestört. Dieses Buch wollte in die Welt, das habe ich gespürt.

Ich habe das Buch geschrieben, das mir selbst gefehlt hat. Es ist jetzt ein halbes Jahr auf dem Markt, und ich habe gelernt, wie wichtig es ist, PR dafür zu machen, damit es bekannt wird.

Da ich selbst keine Ahnung davon hatte, habe ich mich mithilfe von KI schlau gemacht, wie eine Presseseite aussieht, und wie man ein Anschreiben formuliert, das die Medien anspricht.

Herausgekommen ist eine ansehnliche Liste an Zeitungsberichten, Podcast-Interviews, sowie Beiträgen im Regionalfernsehen und auf Instagram. Du findest sie unten im Artikel.

Was ich von meinen Leser*innen gelernt habe:

Kriegskinder haben oft Bindungsprobleme

Das Problem meiner Eltern, mit uns eine tiefe Bindung einzugehen ist kein Einzelfall. Viele Leser*innen schreiben mir, dass es ihnen genauso geht und wie traumatisiert sie davon sind. Es hilft ihnen zu sehen, dass sie nicht alleine sind. Mir auch!

Ich erkläre mir das so, dass die Kriegskinder-Generation viel Schreckliches erlebt hat. Überleben stand an 1. Stelle und Gefühle hatten in dieser Zeit keinen Platz. Meine Eltern haben das gegeben, was sie konnten. Deswegen verurteile ich sie nicht.

Die Traumata, die vorangegangene Generationen unbewusst weitergeben, sind die Ursache von vielen Problemen, die als Altlasten in Ausnahmesituationen wie einem assistierten Suizid zutage treten können.

Ein Grundlagenwerk über selbstbestimmtes Sterben

Viele Leser*innen bezeichnen mein Buch als Grundlagenwerk. Weil es alles beinhaltet, was sie brauchen, um sich adäquat mit dem Thema selbstbestimmtes Sterben und assistierter Suizid auseinanderzusetzen. Sie fühlen sich umfassend informiert, ohne in eine Richtung gedrängt zu werden. Genau das wollte ich erreichen.

Mangelnde Unterstützung für An- und Zugehörige

Etwas, das mir in meinen Gesprächen mit anderen Betroffenen immer wieder begegnet, ist die mangelnde Unterstützung für An- und Zugehörige. Bis auf Frau Professor Wagner von der Medical School Berlin, die eine Sprechstunde anbietet, gibt es bisher wenig Unterstützung.

Dabei ist der Bedarf groß. Ich weiß, dass Claudia Cardinal in ihren Ausbildungen dieses Thema aufnimmt und ihre Sterbeammen und Sterbegefährten entsprechend schult. Sie wird immer öfter darauf angesprochen, Angehörige zu begleiten, die sich mit assistiertem Suizid auseinandersetzen müssen.

Eine Studie soll helfen, das zu ändern. Die Uniklinik Ulm befragt Angehörige ausführlich zu assistiertem Suizid, um herausarbeiten, welche Angebote An- und Zugehörigen helfen könnten. Ich nehme teil.

Hier kannst du dich hier anmelden.

Ist eine Lawine von assistiertem Suizid zu erwarten?

Diese Frage wird mir oft gestellt. Meine Antwort ist: Nein. Die Anzahl der assistierten Suizide steigt, der von der Politik befürchtete Erdrutsch ist aber nicht in Sicht.

Selbstbestimmtes Sterben in Deutschland: Zahlen

2025 wurden in Deutschland 1.288 assistierte Suizide von den 3 größeren Gesellschaften gemeldet. Zusätzlich gibt Ärzte, die Patienten beim assistierten Suizid unterstützen. Dazu existieren keine Zahlen.

Die größte Gesellschaft, die DGHS hat, hat 2025 ihre Mitgliederzahl fast verdoppelt, auf 80.000. Das bedeutet aber nicht, dass alle diese Möglichkeit in Anspruch nehmen. Die Kapazität der DGHS liegt momentan bei maximal 1.500 Freitodbegleitungen im Jahr.

Die aktuelle rechtliche Situation

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020 ist das Recht auf einen assistierten Suizid grundsätzlich verankert.

Abgeordnete des Bundestages arbeiten weiterhin an einer gesetzlichen Regelung.

Neue S2k-Leitlinie zum Umgang mit Anfragen nach Suizidassistenz

Am 22. Oktober 2026 wurde eine interdisziplinäre Leitlinie („Umgang mit Anfragen nach Assistenz bei der Selbsttötung“) mit 45 Empfehlungen für Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte vorgestellt.

Interessant finde ich, dass dort die Angehörigenunterstützung einbezogen wird. Außerdem wird eine von zwei unabhängigen Ärzten durchgeführte Prüfung der Motivation empfohlen. Nach dem BGH-Urteil reicht eine. Die Leitlinie ist gesetzlich nicht bindend, könnte aber wegweisend wirken.

Das Thema selbstbestimmtes Sterben ist also nach wie vor sehr aktuell und ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung.

Online Lesungen zum Thema selbstbestimmtes Sterben

Am 26. Januar 2027 ist die nächste Online-Lesung. Das sind sehr spannende Veranstaltungen, in denen ich eine halbe Stunde lese und anschließend ist eine Stunde Zeit für Fragen und Diskussion.

Anmelden zu Lesung kannst du dich hier

Ich begleite Sterbende, Trauernde und deren Angehörige

Der eigene Tod oder der von An- und Zugehörigen stellt alle Beteiligten vor viele Herausforderungen. Du musst das nicht alleine durchstehen. Ich unterstütze dich und deine Familie. Sprich mich unverbindlich an.

Hier geht’s zum Blogartikel Assistierter Suizid und selbstbestimmtes Sterben vom November 2025

Mein Buch ist in der Welt

Ich schreibe ein Buch, weil

Mein zweites Buch ist bald fertig. Mein erstes Buch erschien 2024 und hat den Titel: „Jammern kannst du später“. Es zeigt ganz praktisch die kleinen Schritte, die den großen Unterschied zwischen einem Leben im Jammermodus und nachhaltiger Zufriedenheit ausmachen.

Warum ich Bücher schreibe

Das erste Buch war ein Experiment für mich. Ich war neugierig, ob ich dazu überhaupt imstande wäre, ein Buch fertigzustellen. Bis kurz vor Schluss habe ich daran gezweifelt. Ich habe das Buch für meine Klienten und alle anderen geschrieben, die ihr Leben selbstbestimmt gestalten wollen. In ihm steckt die Essenz von 18 Jahren Arbeit.

Ein Buch zu schreiben war schwerer als gedacht

Ich habe mich bei meinem ersten Buch verschätzt. Blauäugig, wie ich war, dachte ich: „Ich schreibe seit sieben Jahren Blogartikel. Ein Buchschreiben kann auch nicht viel anders sein.“ Doch ich habe festgestellt, dass ein Buch zu schreiben etwas ganz anderes ist. Ich musste, und das ist mir erstaunlich schwergefallen, erst einmal meine Schreibstimme finden. Damit meine ich die Inge-Art, ein Sachbuch zu schreiben.

Das hatte zur Folge, dass ich dieses Buch dreimal umgeschrieben habe, weil die Sprache immer irgendwie nicht gepasst hat. Die Struktur blieb zwar die Gleiche, aber kein Satz auf dem anderen. Bei 75.000 Wörtern hat mich das einige Jahre lang beschäftigt. Umso schöner war es, das fertige Exemplar in den Händen zu halten.

Was ist meine Schreibstimme?

Klar, ohne Schnörkel oder Fachchinesisch, mit viel Beispielen und praxisnah. Das machte es mir leichter, auch wenn das Thema es in sich hatte. Meine Geschwister sind meine Erstleser und stärken mir zum Glück immer wieder den Rücken.

Hautnah und auf Augenhöhe

Als eine Korrekturleserin beim ersten Buch sagte: „Inge, ich höre dich beim Lesen sprechen.“ Da wusste ich: jetzt ist das Buch fertig.

Auch beim neuen Buch ist es so, dass die Leute, die mich kennen, mich sprechen hören. Mir geht es darum, nicht abgehoben über ein Thema zu referieren, sondern klar und praktisch den Leserinnen und Lesern das Thema nahezubringen. Das ist viel schwieriger als ich mir das anfangs vorgestellt habe.

Warum noch ein Buch?

Im letzten Sommer haben sich meine Eltern mit assistierten Suizid aus dem Leben verabschiedet. Ich war erstmal geschockt und wusste nicht, dass das in Deutschland erlaubt ist. Deswegen lautet der Titel des Buches: „Dürfen die das? Über den assistierten Suizid meiner Eltern“. Dieses Buch hat mich sozusagen ausgesucht.

Ich schreibe es als Tochter, als Begleitende und Hinterbliebene. Vor allem aber schreibe ich es, weil ich gemerkt habe, wie groß der Bedarf an ehrlichen, persönlichen und zugleich sachlichen Informationen zu diesem Thema ist. Nicht nur mir fehlten Wissen, Orientierung und vor allem authentische Erfahrungsberichte.

Nach dem Tod der Eltern führte ich zahlreiche Gespräche über assistierten Suizid. Fast immer ging es um ganz praktische Fragen:

  • Wie läuft so etwas ab?
  • Was bedeutet das für die Angehörigen?
  • Was ist rechtlich erlaubt?

Diese Gespräche bewegten mich dazu, einen Blogartikel zu schreiben. Die Resonanz war überwältigend. Innerhalb einer Woche wurde er über 3.000 Mal gelesen, der dazugehörige Beitrag auf LinkedIn ging viral. Viele Menschen meldeten sich bei mir mit ihren eigenen Geschichten, Fragen und Unsicherheiten.

Mir wurde klar: Dieses Thema betrifft weit mehr Menschen, als ich geahnt habe und es gibt einen großen Bedarf, darüber zu sprechen und sich auszutauschen.

Was mich antreibt, das zweite Buch zu schreiben?

Schreiben hilft mir, das Erlebte zu ordnen und zu verstehen. Dieses Buch ist deswegen auch Teil meines persönlichen Verarbeitungsprozesses. Gleichzeitig ist es mein Versuch, etwas weiterzugeben: Erfahrungen, Einsichten, Orientierung.

Dieses Buch ist für diejenigen, die sich mit einem assistierten Suizid auseinandersetzen: als Betroffene, als Angehörige oder aus persönlichem Interesse. Ich teile, was mir begegnet ist, welche Fragen auftauchten, welche Herausforderungen sich gestellt haben und was ich als hilfreich und belastend erlebt habe.

Ich habe gründlich recherchiert und herausgefunden, dass es ein Buch in dieser Form es noch nicht einmal ansatzweise gibt. Mein Buch ist also das, was ich mir als Begleitung gewünscht hätte.

Warum tue ich mir das an?

Kürzlich meinte eine Kollegin von mir, ihr Buch wäre ein teures Hobby. Das stimmt. Geld mit Schreiben verdienen, tun nur wenige Bestseller-Autorinnen und Autoren. Wir anderen investieren Zeit, Geld und richtig viel Aufwand in die Erstellung unserer Bücher und deren Vermarktung. Wir nehmen das auf uns, weil wir von unseren Projekten überzeugt sind. Das Schreiben macht mir gerade wieder riesigen Spaß.

Du musst es wirklich wollen

„Nebenbei“, also neben der normalen Berufstätigkeit, ein Buch zu schreiben ist eine Übung in Willensstärke, Organisationstalent und Prioritätensetzung. Die Motivation muss also stimmen.

Ich erlebe das gerade beim aktuellen Buch. Es geht erstaunlich schnell und problemlos voran. Meine Erfahrungen aus dem ersten Buch helfen mir natürlich. Aber ansonsten ist mein Handwerkszeug das Gleiche. Ich bin nicht disziplinierter als früher und mache mir auch nicht mehr oder weniger Druck. 

Was anders ist, ist das starke Gefühl, dass dieses Buch unbedingt geschrieben werden will. 
•    Ich weiß genau, warum dieses Buch in diese Realität muss.
•    Ich weiß, wofür und für wen ich es schreibe.
•    Und genau das trägt mich, auch an den Tagen, an denen es anstrengend ist.

Was ich daraus lerne: Je klarer das Warum ist, umso leichter kommst du ans Ziel. Das gilt für alle Projekte.

Was ich gelernt habe

Sich einfach auszudrücken und komplexe Sachverhalte gut rüberzubringen ist eine Kunst. Ich habe nicht geahnt, dass ich jeden Satz fünfmal anfasse, umstelle, schaue, ob er passt und wieder umschreibe. Bis die Erstleserinnen und -leser es zum Testen bekommen, ist es ein langer Prozess.

Wenn du das Buch „Dürfen die das, der assistierte Suizid meiner Eltern“ jetzt bei mir für 18 Euro, portofrei, vorbestellst, kannst du gratis an meinem Workshop zum Thema im April teilnehmen.

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade: Ich schreibe ein Buch, weil…

Vielen Dank für die Inspiration, Stefanie K. Braun!

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Ich lese Online aus meinem Buch: am 23. April 2026 um 19:00 Uhr. Hier geht’s zur Anmeldung.

Bilder: Privat

© Inge Schumacher

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